Sprachentalent Julia Miesenböck übersetzt tschechische Literatur

Name: Julia Miesenböck

Kommt aus: Freistadt

Lebt in: Prag

In der Regel kommen Menschen aus unserem Nachbarland Tschechien nach Oberösterreich, um hier einen besser bezahlten Job zu finden. Den umgekehrten Weg wählte die Freistädterin Julia Miesenböck: Sie zog es nach dem Studium in Wien nach Prag, wo sich die 36-Jährige mittlerweile als Übersetzerin einen Namen gemacht hat.

Weil ihr das Erlernen von Fremdsprachen stets leichtfiel und sie sich auch für Literatur begeisterte, begann Julia Miesenböck nach der Matura am Gymnasium in Freistadt in Wien Tschechisch und Vergleichende Literaturwissenschaft zu studieren. Im Zuge eines Studienaufenthalts in Prag kam die Mühlviertlerin dann auf den Geschmack. „Die Stadt hat mich begeistert, dazu kam die geografische Nähe zu meiner Heimat“, erzählt die 36-Jährige. Da es jedoch nach dem Studium in der tschechischen Hauptstadt kein passendes Jobangebot gab, ging Julia Miesenböck vorerst für zwei Jahre nach Polen, wo sie an der Uni Krakau Deutsch als Fremdsprache unterrichtete.

 

Für preisgekrönte Autorin gearbeitet

Im Jahr 2014 war es dann so weit, die Freistädterin begann zunächst bei einer Agentur Übersetzungen ins Deutsche Korrektur zu lesen, anschließend folgten Deutschkurse am Goethe-Institut in der Goldenen Stadt und immer mehr Übersetzungs-Aufträge.

Seit nunmehr vier Jahren beschäftigt sich Julia Miesenbök vor allem mit Texten von tschechischen Literaten wie etwa der Schriftstellerin Lucie Faulerová, die heuer mit dem Europäischen Preis für Literatur ausgezeichnete wurde oder mit kunstgeschichtlichen Werken bzw. Texten für Ausstellungen. Nebenbei hat sie mit ihrem PhD-Studium begonnen. „Es treten zu einem Teil Verlage an mich heran, zum anderen Teil bin ich in Kontakt mit Literaturagenten und besuche Buchmessen“, sagt Julia Miesenböck. Als Zukunftsprojekt möchte sie das Werk einer Mühlviertler Autorin ins Tschechische übersetzen.

In ihrer Freizeit ist die Freistädterin gerne in der tschechischen Hauptstadt und deren Umgebung unterwegs und unternimmt oftmals ausgedehnte Spaziergänge in Wäldern oder entlang der Moldau. Der Besuch von Museen und Ausstellungen steht auch öfter am Programm, ebenso wie Treffen mit Freunden, die hauptsächlich aus Deutschland und Tschechien stammen. „Der Lebensstil in Prag ist ähnlich wie bei uns, wobei die Menschen hier eine Spur reservierter, aber nicht unfreundlicher sind“, erzählt Julia Miesenböck, die manchmal den Komfort in Oberösterreich, etwa bei den öffentlichen Verkehrsmitteln vermisst. Im Schnitt alle zwei Monate besucht sie die Familie in Freistadt, wobei sie hier gerne in der freien Natur – vorzugsweise Richtung St. Peter – unterwegs ist. Dazu wird sie vermutlich künftig mehr Gelegenheit haben, denn Julia Miesenböck will in ein paar Jahren wieder nach Österreich zurückkehren.

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